Vorstadtkrokodile


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Vorstadtkrokodile
Regie: Christian Ditter
Buch: Max von der Grün
Länge: 98 min
FSK: ab 6 Jahre
Genre: Literaturverfilmung , Kriminalfilm, Kinderfilm, Abenteuerfilm
Klasse: 4. bis 8. Klasse
Fächer: Deutsch, Ethik/Religion, Sachkunde, Sozialkunde
Schlagwörter: Abenteuer, Freundschaft, Behinderte/Behinderung, Außenseiter, Vorurteile, Familie, Kindheit, Zivilcourage, Kriminalität
Verleih: Constantin Film
Jahr: 2009

Kurzbeschreibung:
Die Vorstadtkrokodile wollen einer Einbrecherbande das Handwerk legen. Dazu benötigen sie Kais Hilfe, der den Einbruch beobachtet hat. Dass Kai im Rollstuhl sitzt, führt bei den Vorstadtkrokodilen anfangs zu Abneigung. Doch sie müssen einsehen, dass sie nur gemeinsam stark sind.

Der zehnjährige Hannes wächst bei seiner allein erziehenden Mutter auf. Sein großer Traum ist es, von der Kinderclique der „Vorstadtkrokodile“ aufgenommen zu werden. Bei der dafür notwendigen Mutprobe gerät Hannes in Lebensgefahr. Erst in letzter Minute wird er von Kai gerettet, der auch unbedingt zur Bande gehören möchte. Kai sitzt im Rollstuhl und wird von den „Vorstadtkrokodilen“ viel gehänselt. Für sie ist er nur der „Spasti“, der noch nicht mal wegrennen kann, wenns brenzlig wird. Als Kai einen nächtlichen Einbruch beobachtet, wird er plötzlich interessant für die Clique. Doch er will nur reden, wenn er mitkommen darf. Mit seiner Hilfe und mit viel Ideenreichtum und Mut machen sich die „Vorstadtkrokodile“ daran, den Fall zu lösen und es mit der jugendlichen Einbrecherbande aufzunehmen.
Der klassische Kinderstoff wurde in zeitgemäß überaus gelungener Form adaptiert. Dabei entstand nicht nur eine modernisierte Literaturverfilmung, sondern es wurde mit einem durchgängig ausgezeichneten Schauspielerensemble „ein neues Original, in die Jetztzeit adaptiert“ (Produzent Christian Becker). Die Namen wurden teilweise abgeändert, neue Figuren eingefügt und der in den letzten dreißig Jahren veränderten deutschen Gesellschaft vielfältig Rechnung getragen. So gibt es Kinder mit Migrationshintergrund, allein erziehende Eltern und ein deutlich emanzipierteres Frauen- und Mädchenbild. Auch filmisch werden im Vergleich zur Erstverfilmung von 1977 (Regie: Wolfgang Becker) andere Mittel eingesetzt. Dazu gehören häufig verwendete Zooms, Kamerafahrten und -schwenks, die stärker ans Actionkino als an die Tradition des Sozialdramas angelehnt sind. Durch ein hervorragendes Drehbuch, das Themen wie die Behinderung Kais prägnant und tabulos in den Vordergrund rückt, wirkt der Film dennoch nicht vordergründig unterhaltend. Lediglich die Verwendung von Filmmusik wird überstrapaziert und schadet manchmal dem stimmig in Szene gesetzten Ruhrpottlokalkolorit und der Figurenbetrachtung.
Diese Buchverfilmung erweist sich als Glücksfall in Bezug auf den Vergleich von Literaturvorlage und filmischer Umsetzung, da beide Medien in ihrer jeweiligen medialen Form den Inhalt altersadäquat und gut analysierbar in spannender und motivierender Form darstellen. Neben der Gegenüberstellung der medialen Vermittlungsformen bietet es sich an, eine ausführliche Figurenanalyse erstellen zu lassen, die in der Zusammenschau der Charaktere in Film und Buch die Unterschiedlichkeit einer Kindheit in den 1970ern im Vergleich zum Kindsein heute evoziert und auch eine soziohistorische Durchdringung der Veränderung des Lebens in Deutschland während der letzten dreißig Jahre nahe legt. Weitere Themenschwerpunkte sind der Umgang mit Außenseitern und die Bedeutung einer Clique für Kinder und Jugendliche sowie eine Betrachtung dessen, wie Gesellschaft und Individuum mit behinderten Menschen umgehen. In diesen Zusammenhängen bietet sich der methodische Einsatz von Rollengesprächen und Rollenspielen an.