Innen Leben


FilminfoInhaltFilmische UmsetzungAnknüpfungspunkte für die pädagogische ArbeitTrailer
Innen Leben
Regie: Philippe van Leeuw
Buch: Philippe van Leeuw
Länge: 83 Min
FSK: ab 12 Jahre
Genre: Drama
Klasse: 10. bis 13. Klasse
Fächer: Sozialkunde, Politik, Psychologie, Geschichte, Deutsch, Ethik, Medienkunde
Schlagwörter: Syrien, Krieg/Kriegsfolgen, Naher Osten, Frauen, Familie, Gemeinschaft, Alltag, Heimat, Flüchtlinge, Gewalt, sexuelle Gewalt
Verleih: Weltkino Filmverleih
Jahr: 2017
Begleitmaterial

Kurzbeschreibung:
Das Erleben des Bürgerkriegs wird im Film aus einer konsequent intimen Perspektive erzählt und bietet Anlass, die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten zu debattieren: Was bringt Menschen dazu ihre eigenen moralischen Grenzen zu überschreiten, wie können sie ihre Menschlichkeit wahren? Welche Parteien kämpfen hier gegeneinander und welche Ziele verfolgen sie? Ist eine Aussicht auf Frieden in Sicht?

Während um sie herum der syrische Bürgerkrieg wütet, verschanzt sich Oum Yazan, die auf die Rückkehr ihres Ehemannes wartet, mit Familie und Nachbarn in ihrer Wohnung in einem ansonsten verlassenen Mehrparteienhaus. Gemeinsam mit dem Dienstmädchen Delhani bemüht sich die zupackende Frau, ihrem Schwiegervater und ihren Kindern Yara, Aliya und Yazan einen halbwegs normalen Alltag zu ermöglichen – trotz der anhaltenden Gefechte in den Straßen. Unterschlupf gewährt sie außerdem dem jungen Pärchen Samir und Halima, das mit seinem Baby in Kürze aus Syrien flüchten möchte, und Yaras Freund Karim. Sie alle wollen den Krieg, so gut es eben geht, ausblenden, werden von der rauen Wirklichkeit aber immer wieder eingeholt. Auch dann, als sich Samir nach draußen wagt und angeschossen zusammenbricht, was Delhani mit Entsetzen beobachtet.
Regisseur und Drehbuchautor Philippe Van Leeuw bricht das Erleben des Bürgerkrieges auf einen konsequent intimen Rahmen herunter. Blicke in die zerbombten Straßen gewährt uns das kammerspielartige, Beklemmung hervorrufende Drama nur sehr selten. Und doch sind die gewaltsamen Auseinandersetzungen stets präsent. Vor allem über die Tonspur, auf der regelmäßig Hubschraubergeräusche, Schüsse und Explosionen zu hören sind. Vergessen können die Protagonisten ihre lebensbedrohliche Lage folglich nicht, selbst wenn Oum Yazan alles daran setzt, mit alltäglichen Ritualen ein Stück Normalität zu etablieren. Neben einigen hochintensiven Szenen in der zweiten Hälfte sticht besonders das komplexe, eindringlich gespielte Porträt der Hausherrin hervor, die sowohl Härte und Entschlossenheit zeigt als auch Verzweiflung und tiefe Mitmenschlichkeit.
In einem ersten Schritt könnte „Innen Leben“ als Ausgangspunkt für eine vertiefende Beschäftigung mit dem syrischen Bürgerkrieg dienen, bei der sich folgende Fragen anvisieren ließen: Welche Parteien kämpfen gegeneinander? Welche Ziele verfolgen sie? Und gibt es derzeit Hoffnung auf Frieden? Van Leeuws intensives Kammerspiel bietet in einem zweiten Schritt zudem Gelegenheit, um über die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten im Allgemeinen zu debattieren – vor allem mit Blick auf die in der Filmkritik kontrovers aufgenommene Vergewaltigungsszene: Unter welchen Bedingungen verwandeln sich Menschen in Monster? Darf man in Zeiten eines anhaltenden Krieges, einer ständig lebensbedrohlichen Lage moralisches Handeln erwarten? Oder ist es nicht allzu verständlich, dass man zuerst auf sein eigenes Wohl bedacht ist? „Innen Leben“ liefert diesbezüglich reichlich Diskussionsstoff.