Der Junge und die Welt


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Der Junge und die Welt
Regie: Alê Abreu
Buch: Alê Abreu
Länge: 82 Min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Animationsfilm
Klasse: 3. bis 13. Klasse
Fächer: Deutsch, Kunst, Ethik/Lebenskunde, Religion, Sozialkunde, Sachunterricht, Geografie
Schlagwörter: Erwachsenwerden, Familie, Verlust, Stadt/Land, Brasilien, Umweltzerstörung, Industrialisierung
Verleih: Grandfilm
Jahr: 2014
Begleitmaterial

Kurzbeschreibung:
Eines Tages muss der Vater des kleinen Jungen fortgehen, um Arbeit zu finden. Der Junge aber hält es nicht lange ohne seinen Vater aus und macht sich allein auf den Weg, um ihn zu suchen. Auf seiner Reise entdeckt der Junge die Welt. Der Animationsfilm kommt ohne Worte aus und eignet sich durch seine ansprechende Ästhetik und die Vielzahl der behandelten gesellschaftlichen Aspekte auch für jugendliches oder erwachsenes Publikum.

Eines Tages muss der Vater des kleinen Jungen fortgehen. Zuhause, auf dem Land, gibt es für den Mann nicht genügend Arbeit. Um Geld für die Familie zu verdienen, muss er in die Stadt ziehen und seine Familie verlassen. Der Junge aber hält es nicht lange ohne seinen Vater aus. Und so macht er sich allein auf den Weg, um ihn zu suchen. Die Reise führt ihn zu den verschiedensten Orten. Er gerät in einen bunten Karneval, in überfüllte Großstädte, auf das Land. Er beobachtet, unter welch schlechten Bedingungen Menschen arbeiten, wie die Natur ausgebeutet und der Regenwald gerodet wird – und entdeckt so die Welt.
Alê Abreu verzichtet auf Dialoge (wenn gesprochen wird, dann nur in einer Fantasiesprache) und erzählt seinen Film nur durch Bilder und Musik. Konsequent aus der Sicht des Jungen zeigt er dessen Reise durch Brasilien und greift dabei auf eine Ästhetik zurück, die an Kinderzeichnungen erinnert. Dadurch entsteht ein fantastischer Blick auf die Welt, durch den der Film einerseits die Faszination des Jungen spiegelt, andererseits aber auch die gefühlte Bedrohung. Insgesamt zielt die Animation nicht auf die Herstellung konkreter Bilder ab, sondern bleibt oft bewusst abstrakt. Dadurch werden fließende Übergänge zwischen Wahrnehmungsebenen wie Traum und Realität, zwischen Gegenwart und Vergangenheit möglich, aber auch an Experimentalfilme erinnernde Sequenzen, durch die etwa die gleichförmigen Schicksale der Wanderarbeiter visualisiert werden. Eine besondere Bedeutung kommt der Musik zu: Sie bestimmt maßgeblich den Rhythmus des Films und prägt die Stimmung. Vor allem ein musikalisches Leitmotiv begleitet den Jungen in verschiedenen Tonlagen: eine Melodie, die ihm sein Vater früher vorgespielt hatte und die für ihn ein Zeichen der Hoffnung ist.
Durch die reduzierte Ästhetik wirkt „Der Junge und die Welt“ zwar wie ein Kinderfilm. Dennoch richtet sich der Film ebenso an ein älteres jugendliches und sogar erwachsenes Publikum. Mit jüngeren Schülern/innen etwa kann das Schicksal des Jungen Anlass geben, über die Motive des Vaters zu sprechen, seine Familie zu verlassen, aber auch die Beobachtungen und Erlebnisse des Jungen zu interpretieren und einzuordnen. Mit älteren Schülern/innen kann konkreter analysiert werden, wie der Film im Schnelldurchlauf Licht- und Schattenseiten der gegenwärtigen brasilianischen Gesellschaft durchschreitet – von der Landflucht über die Ausbeutung der Wanderarbeiter bis hin zur Industrialisierung der Städte. Zur Diskussion gestellt werden sollte schließlich, ob der Film eine eher optimistische oder pessimistische Grundhaltung einnimmt und welches Bild der Zukunft er zeichnet. Insbesondere in der Arbeit mit jüngeren Schülern/innen kann die reduzierte Gestaltung auch zum Zeichnen eigener Bildern anregen, die mit der Reise des Jungen und dessen Beobachtungen in Verbindung stehen.