Deine Schönheit ist nichts wert


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Deine Schönheit ist nichts wert
Regie: Hüseyin Tabak
Länge: 85 min
FSK: ab 6 Jahre
Genre: Drama, Jugendfilm
Klasse: 5. bis 8. Klasse
Fächer: Ethik, Deutsch, Religion, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Musik, Erdkunde/Geografie
Schlagwörter: Familie, Identität, Schule, Migration, Liebe, Jugend/Jugendliche/Jugendkultur, Fremde Kulturen, Außenseiter, Ausländer, Kommunikation, Heimat, Konflikt/Konfliktbewältigung
Verleih: barnsteiner-film
Jahr: 2012

Kurzbeschreibung:
Nach seiner Flucht aus der Türkei steht der 12-jährige Veysel in Wien vor einer Menge Probleme. Mit Hilfe seines Nachbarn übersetzt er das Gedicht „Deine Schönheit ist nichts wert“ ins Deutsche, um so seiner Mitschülerin Ana näher zu kommen.

Der 12-jährige Veysel – halb Türke, halb Kurde – lebt nach der Flucht seiner Familie seit kurzem in Wien. Mangelnde Sprachkenntnisse und Konflikte innerhalb der Familie erschweren den Start. Als er die Aufgabe bekommt, der Klasse ein Gedicht vorzutragen, entscheidet er sich für Âşık Veysels „Deine Schönheit ist nichts wert“. So besinnt er sich mit Hilfe des Nachbarn Cem, der als Übersetzter fungiert, nicht nur auf seine kulturellen Wurzeln, sondern kommt auch der von ihm angehimmelten Mitschülerin Ana näher. Doch auch Ana ist Flüchtling und eines Tages steht die Polizei vor ihrer Tür.
Dass Veysel sich in eine tagträumerische Fantasiewelt flüchtet, trägt der Film durch märchenhaft-poetische Szenen Rechnung, die in satten Farben und leicht verfremdetem Ton inszeniert sind. Sie kontrastieren mit dem harten Alltag, der aus Demütigungen in der Schule, Verständnislosigkeit und Isolation, aus Behördengängen und dem Streit innerhalb der Familie geprägt ist. So können Themen wie Asylrecht, Abschiebung, Jugendkriminalität dargestellt werden, ohne dass sich beim Zuschauer ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit einstellt. In Konzeption und Inszenierung geschickt mit den Zutaten eines poetischen Realismus arbeitend, entgeht der Film somit der Gefahr, als soziales Rührstück zu enden. Die Kamera folgt strikt Veysel, beobachtet ihn und zeigt seinen Blick – unterstützt von der Tongestaltung – auf die Geschehnisse um ihn herum. Der Authentizität verpflichtet ist ein großer Teil der Dialoge auf türkisch, versehen mit deutschen Untertiteln.
Der Film bietet einen einfühlsamen Einstieg, um die Themen Migration und Integration anzusprechen. Gleichzeitig lassen sich Veysels Probleme (Familienstreitigkeiten, Zurücksetzungen in der Schule, erste Liebe) auch gut verallgemeinern und auf die Lebensrealität aller Schüler/innen übertragen. Die Wichtigkeit von Kommunikation, Toleranz und Akzeptanz lassen sich herausarbeiten, die Bedeutsamkeit von Kultur und Tradition (und ihre Progression) für die Identität des Menschen veranschaulichen. Interessante Aspekte besonders für den Deutschunterricht sind der Umgang mit Sprache/Sprachlosigkeit und die Gedichtinterpretation. Auch eine Auseinandersetzung mit Kadirs Rap kann in diesem Zusammenhang interessant sein. Da sich Veysels Traumvorstellungen und sein Alltag in ihrer ästhetisch-stilistischen Umsetzung (Zeitlupe, Ton, Musik) deutlich voneinander unterscheiden, lassen sich hier besonders gut filmische Mittel und ihre Wirkung nachvollziehen.