Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück


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Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück
Regie: Matt Ross
Buch: Matt Ross
Länge: 120 MIN
FSK: ab 12 Jahre
Genre: Drama, Tragikomödie
Klasse: 8. bis 13. Klasse
Fächer: Deutsch, Englisch, Sozial-/Gemeinschaftskunde, Ethik, Philosophie, Psychologie
Schlagwörter: Familie, Erziehung, Wildnis, Zivilisation, Bildung, Philosophie, Natur, Werte, Kapitalismus, Idealismus, Utopie, Individuum und Gesellschaft, Abenteuer, Toleranz
Verleih: Universum Film
Jahr: 2016
Begleitmaterial

Kurzbeschreibung:
Nach Jahren in der Wildnis ist die amerikanische Aussteigerfamilie gezwungen in die moderne Welt zurückzukehren. In tragikomischen Szenen beleuchtet das Familiendrama sehr pointiert das Spannungsverhältnis zwischen Naturidylle und moderner Zivilisation, Idealismus und Kapitalismus und regt dazu an, die Grenzen radikaler individueller Lebensentwürfe kritisch neu zu definieren.

In den Wäldern an der Nordwestküste der USA lebt der überzeugte Aussteiger Ben mit seiner Frau Leslie und ihren sechs Kindern fern jeder Zivilisation. Die Kinder im Alter zwischen sieben und 18 Jahren lernen bei Ben alles, was sie zum Überleben in der Wildnis benötigen. Er vermittelt ihnen aber auch Grundlagen der Philosophie und hält sie zum eigenständigen Denken an. Als die depressive Leslie sich in einem Krankenhaus das Leben nimmt, endet die Idylle abrupt. Leslies Vater Jack besteht auf einer Erdbestattung bei sich in New Mexico, die Buddhistin Leslie wollte jedoch eine Einäscherung. Um ihren letzten Willen durchzusetzen, reisen Ben und die Kinder im umgebauten Schulbus zu Jack, der mit dem Entzug des Sorgerechts droht. Vor allem die Jüngeren staunen, als sie erstmals Fettleibige und Fast Food-Läden sehen. Während der Konsumkapitalismus seine Faszination entfaltet, erwacht der Widerstand gegen Bens Lehren.
Mit der weitgehenden Beschränkung auf einen Schauplatz, den Waldhüttenkomplex der Familie, nimmt der Film zunächst kammerspielartige Züge an, ehe die Kamera allmählich den Blick auf die umgebende Wildnis weitet. Der Einsatz der Handkamera beim sportlichen Training und auf der Hirschjagd setzen sparsame dramatische Akzente. Imposante Aufnahmen der Waldlandschaft korrespondieren dabei mit der tiefen Naturverbundenheit der Familie. Als Selbstversorger verzichten die Aussteiger auf jeglichen Komfort der modernen Zivilisation, einschließlich Fernsehen, Telefon und Internet, sie setzen unter Führung Bens vielmehr auf ideelle Werte wie Wahrheit, Freiheit, Solidarität und Geborgenheit. Der überaus starke familiäre Zusammenhalt zeigt sich besonders im Machtkampf mit Leslies Eltern und auf der Busfahrt.
Das Aussteigerporträt bietet Anstöße, um im Unterricht die Motive für eine radikale Abkehr von der modernen Zivilisation und die Lebensbedingungen in der Wildnis zu reflektieren. Da die Heran-wachsenden an einem abgeschiedenen Ort leben müssen, liegt eine Diskussion über Chancen und Defizite einer Pubertät in der gesellschaftlichen Isolation nahe. Für junge Zuschauer stellt sich die Frage: Können sie sich vorstellen, auf gewohnte Kommunikationsmittel wie Handy und Internet komplett zu verzichten? Am Beispiel Bens lässt sich erörtern, ob seine rigorosen Erziehungsmethoden bis hin zum Felswandklettern mit der elterlichen Fürsorgepflicht vereinbar sind. Je länger seine Spröss-linge sich in der Zivilisation bewegen, umso mehr treten Mankos wie Vorteile seiner außerschulischen Erziehung zutage: Die Kinder sind auf die moderne Welt nicht vorbereitet, haben aber einen Wissens-vorsprung: Beim Wort Nike denken die Söhne von Bens Schwester an eine Sportmarke, seine Kinder an die griechische Siegesgöttin. Zugleich sieht sich Ben gezwungen, seinen dogmatischen Idealismus zu mildern. Schließlich wirft die Auflösung die Frage auf, ob sie die zentralen Widersprüche nur beschönigt.