Ab ans Meer!


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Ab ans Meer!
Regie: Jiří Mádl
Buch: Jiří Mádl
Länge: 91 Min
FSK: ab 6 Jahre
Genre: Drama, Kinder- und Jugendfilm
Klasse: 4. bis 7. Klasse
Fächer: Deutsch, Kunst, Medienkunde, Ethik/Lebenskunde, Sozialkunde
Schlagwörter: Filmsprache, Freundschaft, Familie, Erwachsenwerden, Alltag, Abenteuer, Gewalt, Behinderte/Behinderung
Verleih: Der Filmverleih
Jahr: 2014

Kurzbeschreibung:
Gemeinsam mit seinem besten Freund Harris dreht der elfjährige Thomas seinen ersten Film. Was als ideenreiche, spaßige Reise durch den Alltag der Jungs beginnt, gewinnt nach und nach an Tiefe, wenn die Welt der Erwachsenen in den Blick rückt und sich Familiengeheimnisse und der Abgrund der Gewalt auftun. Ein wildes Videotagebuch, genial, mutig, rebellisch, und voller philosophischer Erkenntnisse.

Thomas bekommt zu seinem elften Geburtstag eine Kamera geschenkt und beginnt sofort einen Film über sein Leben und das seines besten Freundes Harris zu drehen. In ihrem Videotagebuch berichten sie vom verhassten Fußballtraining, dem ersten Verliebtsein und erforschen dabei die Möglichkeiten und die Macht der Kamera. Aus Spaß wird Ernst, als Harris bei sich zu Hause seinen gewalttätigen Vater filmt. Auch die Fassade von Thomas‘ heiler Familie bröckelt, als er mit versteckter Kamera entdeckt, dass sein Vater ihn belügt und heimliche Verabredungen hat. Als die Freunde das Geheimnis schließlich lüften, muss sich Thomas einer komplett neuen Familiensituation stellen.
Durch die Kameraperspektive und die Sicht der Protagonisten auf die Dinge gibt der Film überzeugend vor, von Thomas und Harris selbst gedreht worden zu sein und lädt daher besonders zur Identifikation ein. Die beiden Freunde erforschen bei laufender Kamera Blickwinkel, Standpunkte und Videoeffekte und thematisieren so immer auch das Filmemachen. Dabei verzichtet der Film auf unprofessionelle Wackelbilder, so dass er zwar dokumentarisch-realistisch wirkt, aber dennoch auf großer Kinoleinwand funktioniert. Die Kamera ist Begleiter, Verführer und Zeuge. Sie beobachtet unerbittlich und sieht doch nicht alles. In einer Szene häuslicher Gewalt, die nicht zu sehen, aber trotzdem klar vorhanden ist, wird die Handlung zum Kino im Kopf. Thomas und Harris behalten schließlich die Kontrolle über ihr Leben und ihre Bilder und schalten in bestimmten Momenten die Kamera einfach aus.
Das Videotagebuch lädt ein, einen Blick auf sich selbst zu werfen, ehrlich, direkt und kühn. In fotografischen oder filmischen (Selbst-)Porträts nähern sich die Schüler/innen dem Ich und dem Du. Dabei ist es in Zeiten von Handyfilmen, Facebook und anderen sozialen Medien wichtig zu wissen, wo die eigene Privatsphäre aufhört und die von anderen beginnt. Die Verantwortung der Kamera, das Zeigen ohne Bloßzustellen, die Gefahr, aber auch die Kraft des dokumentarischen Bildes sollten Unterrichtsinhalt werden. Die Analyse von Thomas‘ und Harris‘ Familiengeheimnissen kann helfen, den Blick darauf zu schärfen, wie man von anderen wahrgenommen werden möchte und wie man sich deshalb anderen gegenüber präsentiert und/oder verhält. Was kann, darf, will und soll ich über mich und meine Familie erzählen? Ähnlich den deutlich formulierten Entscheidungen von Thomas gegen Ende des Filmes können eigene Wünsche und Überzeugungen an Freunde und Familie formuliert und somit bewusst gemacht werden.