Willkommen auf Deutsch


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Willkommen auf Deutsch
Regie: Carsten Rau, Hauke Wendler
Buch: Carsten Rau, Hauke Wendler
Länge: 89 Min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentarfilm
Klasse: 9. bis 13. Klasse
Fächer: Sozialkunde, Deutsch, Politik, Ethik, Religion
Schlagwörter: Ausländer, Asylpolitik, Vorurteile, Diskriminierung, Rassismus, Integration, Menschenwürde, ehrenamtliches Engagement, Gesellschaft, Tschetschenienkonflikt
Verleih: Brown Sugar Films Verleih
Jahr: 2014

Exzerpt:
Der Dokumentarfilm fragt danach, wie die „bürgerliche Mitte“ Deutschlands angesichts der Ansiedlung von Asylbewerbern in kleineren Gemeinden reagiert. Über den Zeitraum eines Jahres hinweg verfolgt der Film die Entwicklung exemplarisch in zwei Dörfern und beleuchtet dabei sowohl die Schicksale von Flüchtlingen wie auch das Engagement der Bürger und die Überforderung der Verwaltung.

Der Film fragt danach, wie die „bürgerliche Mitte“ Deutschlands angesichts der Ansiedlung von Asylbewerbern in kleineren Gemeinden reagiert und betrachtet exemplarisch zwei Ortschaften im Landkreis Harburg. Während die Gemeinde Tespe bereits eine geflüchtete tschetschenische Familie im alten, umgebauten Sparkassengebäude des Ortes untergebracht hat, kämpft eine Bürgerinitiative im beschaulichen Appel gegen die Einrichtung einer Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Altenheim. Über den Zeitraum eines Jahres hinweg verfolgt der Film die Entwicklung in den beiden Dörfern und beleuchtet dabei sowohl die Schicksale von Flüchtlingen wie auch das Engagement der Bürger und die Überforderung der Landkreisverwaltung. Obgleich das Wort „Willkommenskultur“ in aller Munde ist, wird es von den einzelnen Akteuren unterschiedlich definiert.
Der offenen Ablehnung, die die Bürgerinnen und Bürger Appels gegenüber den angekündigten jungen, männlichen Asylsuchenden an den Tag legen, stellt der Film das Engagement Einzelner gegenüber. Als Kontrapunkte fungieren eine aufgeschlossene Seniorin, die sich ehrenamtlich um die tschetschenische Familie in Tespe kümmert, und der führende Kopf der Bürgerinitiative aus Appel, der eine „Überfremdung“ seines Dorfes fürchtet. Die Filmemacher lassen alle Beteiligten zu Wort kommen und arbeiten auch die „Grautöne“ in der Debatte heraus. Indem der Film die Zuschauenden die Sorgen und den Alltag der von Abschiebung bedrohten Flüchtlinge miterleben lässt und die Hilfe Einzelner, aber auch der Kirche zeigt, setzt er den Vorurteilen und Sorgen der Dorfbewohner/innen, die um ihre Töchter und den Marktwert ihrer Eigenheime bangen, Gesichter und gelebte Realität entgegen.
Die Fluchthintergründe der Protagonisten, religiöse Verfolgung und Krieg, bieten Stoff für die Definition des demokratischen Grundrechtes auf Asyl im Politikunterricht. Thematisiert inwiefern die Politik der mächtigen Industrienationen für Flüchtlingsströme mitverantwortlich gemacht werden kann. Darüber hinaus liefert der Film Argumente für eine Diskussion über die Reformbedürftigkeit des europäischen Asylrechts im Hinblick auf die Drittstaatenregelung. Indem der Film auch das Engagement der Kirche einbezieht, bietet er Anknüpfungspunkte für die Themen Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und verantwortliches Handeln. Auch wenn einige Argumente der Bürgerinitiative bereits im Film relativiert werden, bedürfen fremdenfeindliche Äußerungen und rein wirtschaftliche Interessen, wie die Sorge um den Verlust von Grundstückswerten, eine zusätzliche kritische Betrachtung im Unterricht.