Rico, Oskar und die Tieferschatten


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Rico, Oskar und die Tieferschatten
Regie: Neele Leana Vollmer
Buch: Andreas Bradler, Klaus Döring, Christian Lerch nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Andreas Steinhöfel
Länge: 95 min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Kinderfilm, Komödie, Abenteuer, Literaturverfilmung
Klasse: 3. bis 6. Klasse
Fächer: Deutsch, Sachkunde, Lebenskunde, Religion
Schlagwörter: Außenseiter, Einsamkeit, Familie, Abenteuer, Hochbegabung / Tiefbegabung, Identität, Toleranz, Vertrauen
Verleih: 20th Century Fox of Germany
Jahr: 2014

Kurzbeschreibung:
Rico ist ein tiefbegabter Junge – deshalb kann er auch nur geradeaus gehen. Zum Ausgleich sieht er sich Wohnungen anderer Leute an, vor allem die seiner Hausmitbewohner in der Dieffe 93 in Kreuzberg – allerhand unterschiedliche mehr und weniger sympathische Menschen.

Rico ist ein tiefbegabter Junge – deshalb kann er auch nur geradeaus gehen. Zum Ausgleich sieht er sich Wohnungen anderer Leute an, vor allem die seiner Hausmitbewohner in der Dieffe 93 in Kreuzberg – allerhand unterschiedliche mehr und weniger sympathische Menschen. Damit er nicht ganz auf sich alleine gestellt ist, haben sich seine alleinerziehende Mutter und er etwas ausgedacht: Wegbeschreibungen oder ein Gute-Nacht-Lied spricht und singt sie auf Band. Wenn sie im Nachtclub hinter der Theke arbeitet, kommt Rico also auch (fast) alleine zurecht – zur Not ist auch noch die gute Frau Darling im Haus. Eines Tages begegnet er dem hochbegabten Oskar. Beide Jungen sind auf ihre Art etwas „anders“, passen aber prima zusammen. Als ein Kindesentführer wieder einmal alle in Angst und Schrecken versetzt und gleichzeitig Oskar verschwindet, macht sich Rico auf die Suche nach seinem neuen Freund.
Die Verfilmung des preisgekrönten Kinderbuches von Andreas Steinhöfel ist einfallsreich, innovativ und witzig. Abwechslungsreich und sensibel wird der Zuschauer (audio-)visuell in Ricos Gedankenwelt eingeführt: Das Bild verschwimmt und verflacht beispielsweise, wenn er keinen klaren Gedanken fassen kann, nicht weiß, wo links und rechts ist. Die visuelle Umsetzung ist zudem angereichert durch wunderbare, im Stil der Buchillustrationen animierte Sequenzen, in denen etwa (Fremd-)Worte erklärt oder Überlegungen des Ich-Erzählers Rico dargestellt werden. Das Schauspielerduo des unterhaltsamen Anton Petzold und des zauberhaft naseweisen Juri Winkler wird ergänzt durch einen großartigen Cast – alle skurrilen Charaktere des Buches werden erfrischend zum Leben erweckt. Die dunkleren Teile der Geschichte, das Nachdenken über Tod oder Verlust, sind im Vergleich zur Buchvorlage weniger stark berücksichtigt.
Anhand der Buchadaption lassen sich im Unterricht Akzeptanz und Toleranz thematisieren: Ein sich positiv ergänzendes Miteinander des Jungen aus der Förderschule mit dem Hochbegabten. Hier lassen sich auch Aspekte zum barrierefreien Lernen und inklusiver Bildung herausarbeiten. Das Zusammenleben der unterschiedlichsten Menschen in einem Haus kann als Spiegel einer multikulturellen Gesellschaft dienen. Zum Thema Toleranz gehören auch das Aufzeigen und die Analyse gesellschaftlicher Stereotype und Klischees: Wenn vom Jungen erwartet wird, stark zu sein, Erwachsene die Kinder nicht ernst nehmen, weniger begabte Menschen mit Dummheit gleichgesetzt werden. Auch regen die Angst der Kinder vor dem Alleinsein und vor dem Ungeliebt sein zur Betrachtung an. Die animierten Kurzfilme dürften im Kunstunterricht als geeignetes Material zur Filmanalyse dienen.