11 Mein Herz tanzt
Regie Eran Riklis
Buch Sayed Kashua
Länge 104 Min
FSK ab 6 Jahre
Genre Tragikomödie
Klasse 9. bis 13. Klasse
Fächer Politik, Geschichte, Religion, Ethik, Kunst
Schlagwörter Nahostkonflikt, Identität, Liebe, Schule, Familie, Freundschaft, Diskriminierung, Krankheit
© NFP marketing & distribution
Jahr 2014
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Exzerpt Israel, in den Achtzigerjahren: Der palästinensische Junge Eyad darf auf die beste Schule gehen – und ist dort der einzige Araber. Die Liebe zu einer jüdischen Mitschülerin muss daher geheim bleiben, bei der Jobsuche legt er sich zu Tarnzwecken einen hebräischen Namen zu. Nur bei seinem besten Freund Yonatan, der an einer Muskelschwäche leidet und bald seiner Pflege bedarf, klappt die jüdisch-palästinensische Koexistenz ohne Probleme.
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Inhalt

Israel, in den Achtzigerjahren: Voller Stolz schickt Vater Salah seinen Sohn Eyad auf „die beste Schule des Landes“. Doch das vermeintliche Privileg ist zugleich eine Last: Eyads Familie ist Teil der palästinensischen Minderheit, der pubertierende Junge der einzige Araber auf der ganzen Schule. Die Liebe zu einer jüdischen Mitschülerin muss daher geheim bleiben, bei der Jobsuche legt er sich ebenfalls zu Tarnzwecken rasch einen hebräischen Namen zu. Nur bei seinem besten Freund Yonatan, der an einer seltenen Muskelschwäche leidet und bald seiner Pflege bedarf, klappt die jüdisch-palästinensische Koexistenz ohne Probleme. Die Jungen sehen sich so ähnlich, dass man sie fast für Zwillinge halten könnte. Wäre es nicht gut, wenn man einfach die Identität tauschen könnte? Eyad fasst einen dramatischen Entschluss.

Umsetzung

In der Verfilmung des semi-biografischen Romans von Sayed Kashua präsentiert Regisseur Eran Riklis („Lemon Tree“) den schweren Konflikt als erstaunlich leichte Kost. Quirlige Familienszenen aus Eyads Kindheit, zu Beginn in Rückblenden erzählt, baden geradezu in Nostalgie. Ein Rätselwettbewerb im Radio beweist früh die Intelligenz des Jungen, auf die der Vater, als politischer Linksaktivist gescheitert, all seine Hoffnung setzt. So vermag es die Regie immer wieder, mit visuellem Witz und Einfallsreichtum Akzente zu setzen, und so auch schwierigere Momente von Identitätssuche und Diskriminierung eher beiläufig einzustreuen. Der publikumswirksame „comic relief“ kann die Konflikte zwar nicht lösen, doch umso wirksamer ist die radikale Wendung der tatsächlich unlösbaren Situation am Schluss.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit

Vom Nahostkonflikt ohne die bekannten Bilder von Krieg und Terror zu erzählen, ist ein interessanter Ansatz. Der Blick auf ein persönliches Schicksal jenseits der Stereotype setzt der scheinbaren Alternativlosigkeit andere Bilder entgegen. So zeigen die historischen Rückblenden einen palästinensischen Widerstand, der nicht schon immer religiös motiviert war. Im schulischen Miteinander von Juden und Arabern zeigen sich Bruchlinien der Gesellschaft, wenn Eyad deutlich gemacht wird, dass er nicht dazu gehört. In welchen Situationen Eyad noch Rassismus und Diskriminierung erfährt, sollten die Schülerinnen und Schüler im Unterricht nachvollziehen. Die Frage nach dem Wert von Bildung angesichts ethnischer Schranken im späteren Berufsleben ist auch hierzulande ein Thema. In filmsprachlicher Hinsicht kann diskutiert werden, ob die ungewöhnliche Mischung aus Familienkomödie, Coming-of-Age-Story und Gesellschaftskritik aufgeht.