11 In meinem Kopf ein Universum
Regie Maciej Pieprzyca
Buch Maciej Pieprzyca
Länge 108 Min
FSK ab 6 Jahre
Genre Drama, Tragikkomödie
Klasse 7. bis 13. Klasse
Fächer Deutsch, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Philosophie, Ethik, Religion
Schlagwörter Behinderte/Behinderung, Diskriminierung, Kommunikation, Identität, Biografie, Erwachsenwerden, Familie, Menschenrechte/-würde
© MFA+
Jahr 2013
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Exzerpt „Der Junge ist geistig behindert“, so die Diagnose der Ärzte. Mateus Körper tut nämlich nicht das, was er will. Er wirkt verkrampft, zieht Grimassen und kann weder laufen noch sprechen. Dabei nimmt er alles wahr und leidet darunter, dass er nicht verstanden wird. Erst als 26-Jähriger bringt ihm eine Therapeutin eine Zeichensprache bei und er kann endlich beweisen, dass er kein „Gemüse“ ist, wie die Ärzte behaupten.
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Inhalt

Deutsch, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Philosophie, Ethik, Religion„Der Junge ist geistig behindert“, so die Diagnose der Ärztin. Bunte Bauklötze sollte Mateus im Test sortieren – für ihn eine fast unmögliche Aufgabe. Sein Körper tut nämlich nicht das, was er will. Mateus leidet unter einer zerebralen Bewegungsstörung. Er wirkt verkrampft, er zieht Grimassen und kann weder laufen noch sprechen. Aber heißt das auch, dass „sein Gehirn nicht arbeitet“? Dabei nimmt er alles wahr: die Sterne am Himmel, die Eltern, die ihr „Söhnchen“ nicht aufgeben, oder das süße Lächeln des Nachbarmädchens. Und er leidet darunter, dass er nicht verstanden wird, dass er niemandem seine Gedanken und Gefühle mitteilen kann und ständig über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Erst als 26-Jähriger bringt ihm eine Therapeutin eine Zeichensprache bei und er kann endlich beweisen, dass er kein „Gemüse“ ist.

Umsetzung

Filme über Menschen mit Behinderungen gibt es viele, doch die Tragikomödie In meinem Kopf ein Universum findet einen eigenen und überraschend leichten Tonfall. Statt Mitleid setzt er auf Anteilnahme und Verständnis, indem er seiner schwer behinderten Hauptfigur eine eigene Stimme gibt: Mateus selbst erzählt nämlich seine Geschichte mit trockenem Humor und völlig ohne Selbstmitleid aus dem Off und lässt so das Publikum an seiner verschlossen Gedankenwelt und an seinem Schicksal teilhaben. Auch bildsprachlich wird die Sicht der Hauptfigur nähergebracht, etwa durch Subjektiven und – da sich Mateus als Kind vor allem robbend fortbewegt – oft aus einer bodennahen Perspektive. Dagegen erhalten die Alltagszenen in der Klinik für geistig behinderte Menschen geradezu dokumentarischen Charakter, zumal dort auch mit realen Patienten/innen gedreht wurde.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit

Jahrelang muss Mateus, für den es ein reales Vorbild gibt, mit einer Fehldiagnose leben. Sein Schicksal stellt die Frage, wie die Gesellschaft mit behinderten Menschen umgeht. Anschaulich zeigt der Film, wie Mateus von klein auf immer wieder entmündigt wird, wobei seine Eltern als positive Gegenbeispiele gelten können. Eine kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderungen bietet sich im Unterricht deshalb genauso an wie die Frage, wie diesen Menschen selbstbestimmt und würdevoll leben können, und zwar auch, wenn sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Eine besondere Rolle spielt im Film auch Kommunikation und Verständigung, was zu der spannenden Frage führt, inwiefern diese Aspekte konstituierend für die menschliche Existenz sind? Im Fach Deutsch kann anhand von Schreibübungen die Perspektive von Mateus (und auch seinen Mitmenschen) analysiert werden.