Almanya – Willkommen in Deutschland


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Almanya - Willkommen in Deutschland
Regie: Yasemin Samdereli
Buch: Nesrin und Yasemin Samdereli
Länge: 97 min
FSK: ab 6 Jahre
Genre: Komödie, Jugendfilm
Klasse: 6. bis 13. Klasse
Fächer: Deutsch, Geschichte, Politik, Religion/Ethik, Englisch
Schlagwörter: Identität, Familie, Migration, Biografie, fremde Kulturen, Generationen, (Deutsche) Geschichte, Religion/Religiosität
Verleih: Concorde
Jahr: 2011

Exzerpt:
Ende der 1960er Jahre kommt Hüseyin Yilmaz als der 1.000.001 Gastarbeiter nach Deutschland. Er will seiner Familie, die in der Türkei auf ihn wartet, ein besseres Leben ermöglichen. Sein Vorhaben gelingt. Mit Ausdauer und Fleiß schafft es Hüseyin, sich in Deutschland etwas aufzubauen.

Ende der 1960er Jahre kommt Hüseyin Yilmaz als der 1.000.001 Gastarbeiter nach Deutschland. Er will seiner Familie, die in der Türkei auf ihn wartet, ein besseres Leben ermöglichen. Sein Vorhaben gelingt. Mit Ausdauer und Fleiß schafft es Hüseyin, sich in Deutschland etwas aufzubauen. Er entschließt sich, seine Frau Fatma und seine Kinder Veli, Muhamed und Leyla nachzuholen. Anfangs fällt die Eingewöhnung Familie Yilmaz schwer. Eine fremde Kultur, ungewohntes Essen, eine Religion, die nicht die ihre ist. Doch nach und nach gewöhnen sich die Fünf an das Leben in Deutschland und 45 Jahre später freut sich Ehefrau Fatma über die deutsche Staatsbürgerschaft. Dennoch stellen sich der Familie Fragen der kulturellen Zugehörigkeit, zum Beispiel dem sechsjährigen Enkel Cenk, als er in der Schule gefragt wird, woher er kommt. Auch seine 22-jährige Cousine Canan hat es schwer. Sie ist schwanger von einem „Nicht-Türken“ und weiß nicht, wie sie es ihrer Mutter beibringen soll. Noch verwirrender und turbulenter wird alles als sich Hüseyin nach der Heimat sehnt und der Familie eröffnet, dass er ein Haus in Anatolien gekauft hat und mit allen dorthin fahren möchte.
Die Geschichte von Almanya – Willkommen in Deutschland spielt sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Hüseyins Leben in der Türkei, seine Gastarbeiterzeit in Deutschland, die Ankunft seiner Familie wird in ausführlichen Rückblenden erzählt. Der Perspektivenwechsel ermöglicht dem Zuschauer nachzufühlen, unter welchen schwierigen Bedingungen sich Hüseyin und seine Familie an den Alltag in dem unbekannten und zunächst merkwürdig anmutenden Land gewöhnen und anpassen. Während Almanya – Willkommen in Deutschland in der Jetzt-Zeit auf eine überwiegend realistische Darstellung setzt, bieten die Rückblenden einen freieren und humorvollen Umgang mit der Historie. Dadurch entstehen warmherzige Porträts unterschiedlicher Menschen, die zu einer intensiveren Auseinandersetzung einladen. Almanya – Willkommen in Deutschland versteht es, die Geschichte einer – trotz aller Probleme – gelungenen Integration deutlich zu machen und aufzuzeigen, dass Integration etwas Gegenseitiges ist, das von Migranten und der Gesellschaft des Gastlandes nur gemeinsam bewerkstelligt werden kann.
Das mit viel Einfühlungsvermögen gezeigte Leben einer türkischen Familie setzt damit einen wohltuenden Kontrapunkt zur aktuellen vorurteilsbehafteten Debatte in den Medien und eröffnet Jugendlichen der Zugang zu den wichtigen Themen des Films. Das Thema kulturelle Identitäten zeigt sich exemplarisch und gut nachvollziehbar an den Problemen, die der kleine Cenk in der Schule hat. Ausgelöst durch Cenks Verwirrung, erzählt seine Cousine Canan von seinen „Wurzeln“. Damit wird ein Einstieg in die geschichtlichen Hintergründe des Themas „Gastarbeiter in Deutschland“ ermöglicht. Die Frage nach den Biografien der Charaktere, kann in Verbindungen zu denen der Schülerinnen und Schülern im Unterricht diskutiert und anhand der eigenen Lebensläufe veranschaulicht werden. Hieran können Besonderheiten von Kulturen herausgearbeitet und mit der Lebenswelt der Figuren im Film in Beziehung gesetzt werden. Diskutiert werden kann auch, inwiefern Integration“ ein Terminus der Makroperspektive ist. Nur, weil eine Person, eine Familie oder eine ethnische Gruppe als integriert bezeichnet wird und „gesellschaftlich funktioniert“, sagt das noch nichts darüber aus, wie es sich für den Einzelnen anfühlt, in einer fremden Lebenswelt zurecht zu kommen. Inwiefern macht daher Almanya – Willkommen in Deutschland deutlich, dass Menschen trotz nötiger Anpassung die Möglichkeit haben müssen, ihre eigene Geschichte und Kultur zu bewahren?